Triebwagenserie 32 - 54 (L.B.I.H.i.T.)

Von 1905 bis 1911 lieferte die Grazer Waggonfabrik in mehreren Serien insgesamt 23 zweiachsige Triebwagen für die Stadtstraßenbahnlinien. Mit Frontverglasung, jedoch seitlich offenen Plattformen entsprachen sie dem damaligen Stand der Technik.

Schon in den 20er Jahren wurden einige Triebwagen mit wesentlich stärkeren Motoren ausgerüstet; diese (Nrn. 48–54) wurden vor allem auf Linie 1 eingesetzt. Bereits im Zweiten Weltkrieg mussten einige Triebwagen infolge von Bombentreffern ausgeschieden werden; in jener Zeit wurden auch mehrfach Fahrgestelle und Wagenkästen getauscht, um eine möglichst große Zahl an Fahrzeugen einsatzbereit zu halten. Äußerlich fällt vor allem der Wechsel von Bügel- zu Scherenstromabnehmern sowie der Umbau auf glatte Seitenwände auf.

Bereits in den 50er Jahren verdrängten die verschiedenen Schweizer Gebrauchtfahrzeuge nach und nach die Anfangstype der Innsbrucker Straßenbahn aus dem Liniendienst; mit der Inbetriebnahme der Lohner Vierachser wurden sie endgültig ausgemustert.

Nur zwei Triebwagen blieben erhalten: TW 53 war von 1961-71 als Schienenschleifwagen eingesetzt, im Jahr 1973 kam er ins Tramway-Museum Graz. Der TW 54 hingegen diente noch bis Ende der 60er Jahre als Verschubwagen; seit 1972 stand er im dann Museum Zeughaus in Innsbruck. Beide Triebwagen sind heute wieder unter der Obhut der Tiroler MuseumsBahnen.

Folgende Fahrzeuge dieser Type befinden sich bei den Tiroler MuseumsBahnen:

Triebwagen 53

Nummer 53
Gesellschaft L.B.I.H.i.T.
Baujahr 1909
Außerdienststellung 1971
Hersteller el. Teiler A.E.G.
Hersteller mech. Teile Grazer Waggonfabrik
Leergewicht 9,1t
Länge über Kupplung 7.800mm
Achsformel Bo
Achsstand 2.200mm
Sitz/Stehplätze 16/16
Motortyp A.E.G. U185c
Fahrdrahtspannung 500V
Leistung 2x39kW
an TMB 1991
derzeitiger Zustand betriebsfähig
Erscheinungsbild Zustand 1940er
restauriert von/bis 2007-2012

Aufarbeitung Triebwagen 53

Am 29. Juni 2004 wurde er nach umfassender Überprüfung und div. Wartungsarbeiten von den TMB nach fast 35 Jahren Stillstand wieder in Betriebgenommen.

Nach einigen Jahren der Verwendung als Verschubtriebwagen bei den Tiroler MuseumsBahnen erfolgt nun eine Aufarbeitung dieses Fahrzeuges. Derzeit wird der Fahrgastraum einer Renovierung unterzogen. Dabei sind in mühsamer Kleinarbeit die zahlreichen Lackschichten z.B. von der Decke zu entfernen, um das Fahrzeug im alten Glanz mit einer Decke im Naturholz-Look erstrahlen zu lassen. Weitere Arbeiten, wie Ausbesserung bzw. Erneuerung der el. Anlage, der Fahrzeugbeleuchtung, Überholung der gesamten Fahrzeugmechanik, Erneuerung der Führerstände etc. sind für die kommenden Jahre in Planung. Es ist geplant, ihn später einmal in den Zustand der 30 - 40-er Jahre des vorigen Jahrhunderts aufzuarbeiten.

Danach ging es daran in einigen 100 Stunden aufreibender „Überkopfarbeit“ die altenDecke im Fahrgastraum von alten Anstrichen zu befreien. Nachdem der Innenraum soweit fertig abgebeizt war, und nun auch wieder entsprechend lackiert ist, wurde die Verkabelung der Nebenbetriebe ausgetauscht. Neben der Beleuchtung und der Heizung wurde auch eine 24 Volt Anlage in dem Fahrzeug installiert. Während im Innenraum die Elektrotechniker viel zu arbeiten hatten, wurde auch das Fahrgestell geputzt und neu gestrichen.

Im Winter 2009/2010 konnten auch die meisten Holzarbeiten im Innenraum abgeschlossen werden. So wurden die Führerstandsverkleidung und Sitzbänke neu angefertigt, und warten zum Teil noch auf ihre Montage. Es hat sich herausgestellt, dass die alten Fensterrahmen des Wagens nicht so verwittert waren wie angenommen, und so konnten sie auch wieder verwendet werden.

Bis Saisonanfang 2010 konnte bereits die Seitenverlattung angebracht werden. Auch erfolgte bereits ein erster Anstrich des Bleches des Wagenkastens in dem damals üblichen braunrot. Weiters wurde bereits ein großer Teil der hölzernen Zierleisten montiert, sowie die Rosette für den Scheinwerfer aufgesetzt. Über den Sommer wurde der Außenanstrich fertig abgeschlossen. Weiters wurden 2010 Führerstände komplettiert und vorbereitende Arbeiten für den Innenraum getroffen. Ende des Jahres wurden schließlich die Fenster des Fahrgastraums eingebaut. Mit der Montage der Fahrtrichtungsanzeiger Anfang 2011 fehlen nur noch die Beschriftung und dir Zierlinien beim Äußeren.

Nach den Weihnachtsfeiertagen 2010 wurden die Arbeiten im Fahrgastraum des Fahrzeuges aufgenommen. Teile des Bodens wurden erneuert, die Bänke und Türen wurden eingebaut und Beschläge montiert. Bis Februar 2011 war der Fahrgastraum somit fertig renoviert. Bis Anfang Juli 2011 konnten die Führerstände komplettiert werden, sowie die Zierlinien und Beschriftungen zusammen in einem Projekt mit der HTL für Bau & Kunst - Abteilung Kunst & Design aufgemalt werden.

Nach Montage der Schutzbretter und einiger Kleinteile war das Fahrzeug Anfang April so weit fertig gestellt, dass die Bremsprobefahrten für die Wiederzulassung durchgeführt werden konnten. Bei diesen erreichte der Triebwagen sogar bessere Bremswerte, als bei seiner Erstzulassung 1909. Nach der erfolgreichen Zulassung steht der Triebwagen 53 ab Sommer 2012 für Sonderfahrten im Stadtnetz zur Verfügung.

Am 16.06.2012 konnte schließlich das Rollout von Triebwagen 53 beim Tag der offenen Türe gefeiert werden. Unter den Augen zahlreicher Gäste gab es feierliche Ansprachen und Rundfahrten mit dem Triebwagen und Beiwagen 111 durch die Stadt.

Triebwagen 54

Nummer 54
Gesellschaft I.V.B.
Baujahr 1909
Außerdienststellung 1970
Hersteller el. Teiler A.E.G.
Hersteller mech. Teile Grazer Waggonfabrik
Leergewicht 9,1t
Länge über Kupplung 7.800mm
Achsformel Bo
Achsstand 2.200mm
Sitz/Stehplätze 16/16
Motortyp GE 249
Fahrdrahtspannung 500V
Leistung 2x39kW
an TMB 1998 (Leihgabe Zeughaus)
derzeitiger Zustand betriebsfähig
Erscheinungsbild Letztzustand (1970)
restauriert von/bis 2002-2003

Aufarbeitung Triebwagen 54

Dieser Triebwagen entstammt der Serie an Stadttriebwagen, welche die Lokalbahn Innsbruck - Hall in Tirol für den innerstädtischen Verkehr der Stadt Innsbruck beschaffte. Ursprünglich handelte es sich hier aber um den Wagen mit der Betriebsnummer 40 welcher im Jahre 1944 umgebaut und danach als Zweitbesetzung des durch einen Bombentreffer ausgeschiedenen Triebwagen 54I eingereiht wurde.

Nach dem Rückzug aus dem Planverkehr im Jahre 1960 fand der Wagen noch lange Jahre als Verschubtriebwagen Verwendung, bis er im Jahre 1972 an das Museum Zeughaus in Innsbruck abgegeben wurde. 1998 wurde er von den Tiroler MuseumsBahnen als Dauerleihgabe vom Museum Zeughaus übernommen. Weitere Details zur Geschichte dieses Triebwagens entnehmen Sie bitte der nachfolgenden allgemeinen Beschreibung der Triebwagenserie 32 - 54 am Ende dieser Seite.

Bevor überhaupt an eine Restaurierung zu denken war, waren noch einige Schwierigkeiten zu überwinden. So musste der Triebwagen 54 einen etwast ungewöhnlichen Weg nehmen, um von seinem Aufstellungsort im Hof des Museums Zeughaus in Innsbruck wieder zurück auf das Innsbrucker Schienennetz zu gelangen. Da das Tor der Museumseinfahrt zu klein war, wurde er kurzerhand mit Hilfe eines Autokranes über das Dach des Museumtraktes gehoben.

Auf Grund der damals bevorstehenden Remisensanierung war eine baldige Aufarbeitung nicht möglich. Erst nach Abschluss dieses Großprojektes konnte man an eine Restaurierung des TW 54 denken, welche aber ursprünglich erst für einen späteren Zeitpunkt geplant war. Eine zwischenzeitliche Begutachtung des Allgemeinzustandes dieses Triebwagen ergab, dass er mit verhältnismäßig geringem Aufwand wieder in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen wäre. So begann man im Laufe des Jahres 2002 mit der Restaurierung im Letztzustand, wobei der Schwerpunkt der Arbeiten zuerst der Wiederfahrbarmachung galt. Bereits im August 2002 konnten die ersten Fahrten mit eigener Kraft im Betriebshof erfolgen.

Danach begann man mit den umfangreichen Restaurierungsarbeiten am Wagenkasten, welche dann schlussendlich in einer Neulackierung des Kastens im Original IVB-Rot der 50-er Jahre gipfelten. Auch die hölzernen Innenverkleidungen, Sitzbänke und Fensterrahmen wurden wieder auf Hochglanz gebracht.

Am 3. Mai 2003 war es dann soweit: Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung, sowie zahlreich erschienener Ehrengäste, wurde der Triebwagen 54 feierlich in Betrieb genommen. Nach Ansprachen von Vertretern des Landes Tirol, der Stadt Innsbruck sowie der Innsbrucker Verkehrsbetriebe erfolgte die Fahrzeugweihe durch den Abt des Stiftes Wilten. Im Anschluss daran trat der TW 54 zusammen mit dem Beiwagen 111 seine erste Sonderfahrt durch die Stadt an. Dabei ließ es sich die Bürgermeisterin Frau Hilde Zach nicht nehmen, den Sonderzug höchstpersönlich vom Betriebshof in Wilten bis vor das Rathaus in der Maria Theresienstraße zu führen.

Nach der Runde für die Ehrengäste fuhr der TW 54 in Begleitung vom TW 19 mit BW 147 noch einige Runden durch die Stadt, wobei die Linie 1 und die Linie 3 auch einige Male zur Gänze befahren wurden.