Triebwagenserie 24 - 32 (I.V.B.)

Für neue Straßenbahnlinien in Basel wurde den dortigen Verkehrsbetrieben von der Fa. Siemens & Halske im Jahr 1898 ein Motorwagen-Prototyp (Nr. 50, ab ca. 1918: Nr. 22'') aus einer für Schlesien gebauten Serie, die bereits in Waldenburg (D) unter ähnlichen topografischen Verhältnissen, wie sie in Basel anzutreffen waren, verkehrten, geliefert. Die guten Erfahrungen führten zu einer Bestellung von 33 Wagen bei der SIG (Schweiz. Industrie Gesellschaft, Neuhausen), und Siemens & Halske die Motoren und die elektrische Ausrüstung lieferte. Die Wagen hatten zwei Motoren und vorerst offene Plattformen. Die Auslieferung erfolgte 1900-1901, wobei die Inbetriebnahme des TW28 (ex. BVB 60 (32'') zum 27.5.1900 dokumentiert ist. Um 1910 erfolgte ein erster großer Umbau, bei dem die Wagen geschlossene Plattformen und einen größeren Radstand von 2 Metern erhielten. In den Jahren 1913 bis 1918 erfolgte dann die Umnummerierung auf die Wagennummern 22'' bis 55''. Den letzten größeren Umbau in Basel erfuhr diese Triebwagenserie um 1930, wo der Radstand nochmals, diesmal auf 2.6 Meter vergrößert, die Eingangstüren als Durchgangstüren in Richtung Wagenkasten versetzt und die Fahrzeuge mit Scherenstromabnehmern und stärkere Motoren versehen wurden. Der Einsatz dieser Triebwagenserie erfolgte auf typischen Stadtlinien. Nähere Details und Fotos aus dieser Zeit können auch der Homepage des Tramclub Basel entnommen werden.

Nach Umrüstung der Fahrzeugflotte auf Vierachser wurden sie abgestellt und 9 Wagen (24'', 26'', 27'', 29'', 31'', 32'', 34'', 37'' und 41'') wurden 1950/1952 nach Innsbruck zu einem Stückpreis von 11.000 SFr verkauft. Zur Anpassung an die Innsbrucker Verhältnisse war der Umbau der Fahrschalter (Umkehr der Drehrichtung), Schließen der Stirnwandtüren, Abbau des Laternendachs, eigener Schalter für Schienenbremse und Anbau von Fahrtrichtungsanzeigern erforderlich. Wegen des dringenden Bedarfes kamen sie vorerst noch (ausgenommen der TW29) im original Basler Grün hauptsächlich auf der Linie 3 (Pradl) zum Einsatz, eine Umlackieurng auf das rot-weiße IVB-Erscheinungsbild erfolgte dann später. Im Jahr 1960 wurde diese nun in Innsbruck beheimateten Triebwagen auf Compact-Kupplungen umgerüstet. Nach dem Abbruch des Wagenkastens des Triebwagen 26 wurde das Fahrgestell dieses Fahrzeuges im Rahmen einer Hauptuntersuchung (1967) dem bisherigen Triebwagen 28 untergebaut.

Folgende Fahrzeuge dieser Type befinden sich bei den Tiroler MuseumsBahnen:

Triebwagen 28

Nummer 28
Gesellschaft I.V.B.
Baujahr 1900
Außerdienststellung 1978
Hersteller el. Teiler BBC/Elin
Hersteller mech. Teile SIG, Umbau 1930 BVB
Leergewicht 11,7t
Länge über Kupplung 8.710mm
Achsformel Bo
Achsstand 2.600mm
Sitz/Stehplätze 16/20
Motortyp GTM3
Fahrdrahtspannung 600V
Leistung 2x43kW
an TMB 2008
derzeitiger Zustand betriebsfähig
Erscheinungsbild Letztzustand (1967)
restauriert von/bis 2008 - 2011
Zeitaufwand Restaurierung 4500h

Aufarbeitung Triebwagen 28

Nach Abstellung dieser Fahrzeugserie diente der TW28 noch bis 1978 als Rangierwagen und Aufenthaltsraum für das Werkstättenpersonal.

Ein Kauf durch die damalige Eurotram Klagenfurt (heute: Nostalgiebahnen in Kärnten) und der Abtransport dieses Fahrzeuges am 28.3.1978 nach Kärnten rettete es vor der Verschrottung. Vorerst im Freien, dann unter einem provisorischen Flugdach am Areal der Nostalgiebahnen in Kärnten in Klagenfurt abgestellt, hielt es hier einen „Dornröschenschlaf“.

Nach mehrjährigen Verhandlungen und dem Entgegenkommen der Nostalgiebahnen in Kärnten ist es den Tiroler Museumsbahnen dann doch gelungen, dieses Fahrzeug als langfristige Leihgabe nach Innsbruck zu bekommen. Es ist geplant, es in den nächsten Jahren in einen betriebsfähigen Zustand aufzuarbeiten.

Die Bestandsaufnahme zeigte erhebliche Mängel im Bereich des rechten Hauptstehers am Führerstand B und im Fahrgastraum an der gleichen Stelle am Hauptträger des Daches. Auch waren die Plattformdächer beider Führerstände sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Deswegen beschloss man Teile des Stehers, des Trägers, sowie die beiden Plattformdächer zu erneuern. Hierfür mussten unter Anderem auf einer Seite die Verblechung des Triebwagens, sowie alle Türen und die gesamten Dachaufbauten entfernt werden.

Besonders das Einpassen und Anfertigen der Dachspannten benötigte einge Zeit.

Bis Mitte März 2009 konnten die Front- und Seitenverblechungen zu großen Teilen überholt, und wo nötig erneuert werden. Auch wurden die für die Ausbesserung des Stehers demontierten Seitenbleche wieder montiert. Bis Anfang Mai bekam das Dach eine neue Dachhaut und auch die Arbeiten im Fahrgastraum wurden aufgenommen. Bis Ende Mai waren die Arbeiten am Dach fast vollkommen abgeschlossen, sowie der alte Lack des Wagenkastens rundum abgeschliffen und das Fahrzeug fast vollständig grundiert.

Als nächstes wurde nun der Innenraum in Angriff genommen, sowie die Verkabelung des Fahrzeuges auf Schäden überprüft, und wenn nötigt getauscht. In der Zwischenzeit konnte das Dach und die Dachaufbauten soweit fertig gestellt werden, dass es möglich war den Fahrstromkreis wieder herzustellen. Am 11.07.2009, ein knappes Jahr nach der Rückholung des Baslers nach Innsbruck, war es soweit: Nach fast 30 Jahren des Stillstandes fuhr der Triebwagen am Nachmittag des Tages wieder aus eigener Kraft über das Museumsgelände. Bereits am Abend nahm er die Arbeit als Verschubwagen auf, und zog 2 Haller Beiwagen in die Remise.

Bis Mitte September 2009 wurde die gesamte Verkabelung der Nebenbetriebe erneuert und nun erstrahlt der Triebwagen in altem neuen Glanz. Nachdem der elektrische Teil des Triebwagens soweit einsatzfähig war, ging es nun an die Schleif- und Malarbeiten. Die Decke des Triebwagens, sowie die Wände des Fahrgastraums wurden abgebeizt, die Unebenheiten wurden verkittet und ein erster Anstrich erfolgte. Im Zuge dieser Ausbesserungen standen noch einige Holzarbeiten im Fahrgastraum an.

Bis März 2010 waren die Vorarbeiten für das Lackieren des Triebwagenäußeren getroffen und es wurden bis dahin bereits einige Dosen Kitt verbraucht, um Rost- und Lackschäden auszubessern. Ab Mai 2010 wurde von den Holzteile des Fahrgastraums der Altlack und die alte Beize entfernt. Schließlich war dann im Juli ein Großteil davon neu gebeizt und die Führerstände waren da auch schon fertig ausgemalt.

Mitte Juli 2010 wurde die Erneuerung des weißen Anstrichs abgeschlossen. Ebenfalls erhielten die Seitenbleche ihre ersten roten Lackschichten und ein Großteil der Reinigung des Fahrgestelles war zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen. Anfang Oktober konnte der Triebwagen auch außen fertig gestellt werden. Die Fahrtrichtungsanzeiger und die Trittkästen wurden montiert, sowie die aufgearbeiteten Kompaktkupplung eingebaut. Ende Oktober wurden schließlich die gröbsten Arbeiten im Fahrgastraum und auf den Führerständen abgeschlossen. Nachdem alles fertig gestrichen und lackiert war, erfolgte der Einbau der Beschläge.

Über den Winter 2010/2011 wurde die letzten Feinarbeiten am Fahrzeug durchgeführt, sowie die letzte Klarlackschicht im Innenraum aufgetragen. Mit März 2011, nach 2,5 Jahren Arbeit, präsentiert sich der Triebwagen 28 somit wieder in seinem Letztzustand, wie er bei den Innsbrucker Verkehrsbetrieben eingesetzt worden ist. Von Anfang März 2011 bis Mitte April wurden dann einige (Brems-)Probefahrten durchgeführt, die der Wagen ohne Probleme absolviert hat. Schlussendlich konnte das Fahrzeug für den Publikumsverkehr am 20. April 2011 zugelassen werden und verstärkt somit die Triebwagenflotte der Tiroler MuseumsBahnen.

Am 30. April 2011 wurde das Rollout unter beisein von Bürgermeisterin Mag.ª Christine Oppitz-Plörer, Vizebürgermeister Christoph Kaufmann, Verkehrs- und Umweltstadtrat Ernst Pechlaner sowie weiteren Honoratoren und zahlreichen Straßenbahnbegeisterten gefeiert. Nach seiner offiziellen ersten Ausfahrt auf der Linie 3, steht der Triebwagen nun auch für bestellte Sonderfahrten und für die Museumslinie zur Verfügung.