Tiroler MuseumsBahnen
 
Die Fahrzeuge
 

Lokserie 1 - 3, 4 (Rittnerbahn)

Lokserie 1 - 3, 4

Für den Betrieb der Rittnerbahn wurden insgesamt 4 Zahnradlokomotiven angeschafft, die auf der Steilstrecke mit einer durchschnittlichen Steigung von 22 % die 2- bzw. 4-achsigen Triebwagen bergauf schieben sollte. Diese Betriebsform wurde in Anlehnung an die Bahn in Opicina (Triest) deshalb gewählt, um auf den Adhäsionsstrecken am Anfang und Ende der Rittnerbahn normale Triebwagen (ertüchtigt nur um spezielle Bremsen für die Zahnradstrecke).

Alle Loks dieser Serie wurden von der SLM Winterthur im Auftrag der Grazer Waggon Fabrik bzw. der AEG-Union gebaut, wobei ursprünglich jeweils zwei Maschinen als Reserve vorgesehen waren. Diese Zahnradlokomotiven waren mit je zwei Gleichstrom-Nebenschlussmotoren bestückt, die bei der Talfahrt als Generatoren arbeiteten und so neben der Bremsarbeit eine el. Rückspeisung ins Fahrleitungsnetz und die Akkumulatoren der Bahnstromversorgung realisierten. Um eine gleichmäßige Belastung der Motoren im Generatorbetrieb zu ermöglichen, war eine eigene Ausgleichsschaltung mit individueller Einstellung der Motoren über die Kompensationswiderstände, die auf die Feldwicklungen wirkten, vorhanden. Der Antrieb der Rad-Achsen erfolgte über Stangen von den Zahnachsen aus. Als Zahnstangensystem wurde das System „Strub“ gewählt. Das System „Strub“, benannt nach seinem Erfinder Emil Viktor Strub besitzt eine Zahnkopfstange bei der die Zähne in eine Breitfußschiene eingefräst sind. Dieses System ist zudem kompatibel mit dem System Von Roll. Die Motoren der Zahnradloks waren aus Kosten- und Sicherheitsgründen relativ starr am Rahmen gelagert, was bei der kleinen Geschwindigkeit und dem Vorhandensein einer Rutschkupplung auf den Motorwellen vertretbare Auswirkungen hatte. An Bremsen besaßen diese Fahrzeuge je Motor bzw. je Zahnrad eine Bandbremse, die auf die Motorachse wirkte, die mit einem Geschwindigkeitskregler verbunden war und so als Notbremse wirkte; dann die Handbremse, durch die Bremssohlen auf jede der an den Zahnrädern angebauten profilierten Bremstrommeln angepresst wurden. Als Betriebsbremse war die el. Bremse im Generatorbetrieb der Motoren vorhanden. Zur weiteren Betriebssicherheit war eine Sicherheitszange vor dem bergseitigen Zahnrad vorhanden, die die Zahnstange umfasste und ein Abheben von der keilförmigen Zahnstange unmöglich machte. Sollte im Betrieb einmal eine Entgleisung erfolgen, so war der stirnseitige Teil des Fahrzeugrahmen so ausgebildet und dimensioniert, dass er dann in die Zahnschiene eingreifen konnte und den Zug sofort zum Halten bringen würde.

Zug der Rittnerbahn mit Zahnradlok und 4-achsigem Triebwagen am Viadukt, dem ersten Teil der Zahnradstrecke (ca. 1910)

Von den Lokomotiven sind nur mehr die Lok 2 und Lok 4 vorhanden. Die Lok 1 wurde nach dem schweren Unfall im Jahr 1964 abgewrackt, die Lok 3 wurde in Bozen nach Einstellung der Zahnradstrecke ebenfalls abgewrackt, die Lok 2 ist äußerlich aufgearbeitet in der Remise der Rittnerbahn in Klobenstein hinterstellt und die Lok 4 war von 1972 bis 2004 im Zeughaus in Innsbruck unter den Arkaden abgestellt. Von dort gelangte sie im Oktober 2004 als Leihgabe in der Museumsremise der Tiroler MuseumsBahnen in Innsbruck.

Von den Tiroler MuseumsBahnen (TMB) wurde diese Lok 4 der Rittnerbahn nach einer umfassenden Reinigung vorerst einmal um die Lyra-Stromabnehmer ergänzt, sodass sie sich bald in einem recht gefälligen Aussehen dem Besucher darstellte. Bei einer ersten Statusfeststellung des technischen Zustandes musste allerdings festgestellt werden, dass neben einer optischen Renovierung, wesentliche Ausbesserungsarbeiten an der elektrischen Anlage dieses Triebfahrzeuges notwendig sein werden.

Rittnerbahn-Zahnradlok Nr. 4 noch im Zeughaus Innsbruck noch unter dem Taubenschutznetz vor dem Abtransport

Millimeterarbeit als Vorbereitung für den Abtransport aus dem Zeughaus in Innsbruck

Abladung der Lok 4 an ihrer neuen Heimstätte, der Museumsremise der Tiroler MuseumsBahnen

Lok 4 in ihrer neuen Heimat in der Museumsremise der Tiroler MuseumsBahnen

Lok 4 nach der gründlichen Reinigung, wieder mit Stromabnehmern versehen

Doch eine genauere technische Überprüfung hat dann zahlreiche schwerwiegende Mängel und Defekte gezeigt, die eine rasche Inbetriebnahme eher unwahrscheinlich erscheinen haben lassen.

Hier eine kleine Auswahl der el. Beschädigungen (Herausgerissene Blasspule, abgeschnittenen Leitungen etc)

Es erfolgte dann noch die Reparatur des Kontrollers, das Nachrüsten eines Stangenlagers und der Beleuchtungskörper, div. Prüf-, Mess-, Einstell- und Schmierarbeiten, sowie der Wiederherstellung div. sonstiger elektrischer Leitungswege im Fahrzeug, die bei der seinerzeitigen Ausfuhr aus Südtirol entfernt bzw. unbrauchbar gemacht wurden.

....aber dann, am 3.6.2006 - 16:14h, nach einem größeren Arbeitseinsatz sind wir unserem Wunschziel etwas näher gekommen, denn seit diesem Zeitpunkt kann sich die Rittner-Lok 4 wieder mit eigener Kraft bewegen. Sie setzte sich zu diesem Zeitpunkt nach 40 Jahren „Betriebsruhe“ mir viel Getöse, Rumpeln und starker Lichtbogenbildung auf den für sie betriebsfremden Gleisen unseres Museumsgeländes in Innsbruck in Bewegung.

Lok 4 macht nach langer Betriebspause die ersten „Fahr“-Versuche in der Museumsremise (3.6.2006)

...die erste Strecke mit eigener Kraft nach 40 Jahren ist geschafft (3.6.2006)

Nun sollte die Zeit bis zum 100-Jahr-Jubiläum der Rittnerbahn im Jahr 2007 noch gut genützt werden, damit Restarbeiten an der Technik (eine komplette Aufarbeitung war nicht geplant, um die historische elektrotechnische Ausrüstung soweit als möglich zu erhalten) gemacht werden können und natürlich die Optik (sprich: Anstrich, Komplettierung fehlender Accessoires) verbessert wird. Es gab daher noch viel Arbeit für das kleine Häufchen der Aktiven der Tiroler MuseumsBahnen!

Innenansicht der Lok 4 mit liegendem Fahrschalter, Beleuchtung und Messgeräten

Und was vorerst einmal eher unwahrscheinlich erschien, wurde wahr. Schon viel früher, nämlich am 4.11.2006 bei einem „Roll-Out“ konnten wir die fertig renovierte Zahnradlok 4 im Beisein zahlreicher Interessierter, Honoratioren und Freunde der Tiroler MuseumsBahnen (besonders vom Ritten in Südtirol) nun offiziell rechtzeitig vor dem Jubiläumsjahr der Rittnerbahn präsentieren und in Betrieb nehmen. Wir sind stolz, dass wir Dank des Entgegenkommens des Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum / Zeughaus und der tollen Arbeit unserer Aktiven das aus heutiger Sicht einzige betriebfähige Unikat einer elektrischen Zahnradlokomotive dieser ebenfalls einzigen noch in Betrieb befindlichen Südtiroler Schmalspurbahn in unserer Sammlung zeigen können.

Roll-Out der Lok 4 unter großer Beteiligung von Interessierten am 4.11.2006

Nach der Entfernung der seinerzeit im Zeughaus eingebauten seitlichen unteren Glasfenster und Schließen dieser Öffnungen durch eine dem historischen Vorbild entsprechende Holzverkleidung stellte sich dieses Prunkstück der Tiroler Eisenbahngeschichte nun im authentischen Erscheinungsbild gerade rechtzeitig zum 100-Jahr Jubiläum der Rittnerbahn im Jahr 2007 dar.

Rittnerbahnlok Nr. 4 im neuen, „alten“ Aussehen der szt. Außerdienststellung 1966

Datenblatt von Lok 4

Lokomotiven 4
Nummer
GesellschaftRittnerbahn 
Baujahr1909 
Außerdienststellung1966 
Hersteller el. TeileSLM Winterthur 
Hersteller mech. TeileSLM Winterthur 
Leergewicht16,43 t
Länge über Kupplung4.670 mm
Achsstand2.500 mm
MotortypNebenschlussmotor mit Wendepolen 
Fahrdrahtspannung750 V
Leistung2x110 kW (2x149.56 PS)
an TMB2004 (Leihgabe Zeughaus) 
derzeitiger Zustandbetriebsfähig 
ErscheinungsbildLetztzustand (1966) 
restauriert von/bis2004 - 2007 
 
 

Museum geöffnet: Mai-Oktober, jeden Samstag 09:00–17:00